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26. August 2026

Gastronomie ächzt (nicht nur) unter Nachfolgeproblem

ANGESPANNTE MARKTSITUATION FÜHRT ZU VIELEN SCHLIESSUNGEN
Viele Gastronomiebetriebe finden keine Nachfolger mehr.
Foto: AdobeStock / SH Art Solutions

Die Gastronomie steht vor einer ihrer größten Herausforderungen: der Unternehmensnachfolge. Während steigende Kosten, Fachkräftemangel und Bürokratie den Alltag vieler Betriebe prägen, fehlt es zunehmend an Unternehmerinnen und Unternehmern, die etablierte Restaurants weiterführen wollen. Laut dem aktuellen Unternehmensnachfolge-Report des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gehört das Gastgewerbe neben dem Handel zu den Branchen, die am stärksten vom Nachfolgemangel betroffen sind.

Auf einen potenziellen Nachfolgeinteressenten kommen drei bis vier übergabewillige Betriebe. Mehr als jeder vierte altersbedingt ausscheidende Unternehmer zieht laut DIHK sogar eine Betriebsschließung in Betracht, weil sich keine geeignete Nachfolge findet. Der noch aktuelle DIHK-Unternehmensnachfolge-Report 2025 zeigt zudem, wie eng die angespannte Marktsituation und fehlende Nachfolger miteinander verknüpft sind: Bei 92 Prozent der Unternehmen, die eine Schließung erwägen, ist die fehlende Nachfolge der ausschlaggebende Grund. Gleichzeitig belasten Fachkräftemangel (63 Prozent), hohe Energie- und Materialkosten (49 Prozent) sowie allgemeine Zukunftsunsicherheit (47 Prozent) die Betriebe erheblich. In 40 Prozent der Fälle tragen zudem steigende Bürokratielasten maßgeblich zur Entscheidung bei. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer fühlen sich zunehmend überfordert und sehen unter den aktuellen Rahmenbedingungen keine langfristige Perspektive.

Weniger Gäste, geringere Margen

Ganz besonders gilt dies für die Gastronomie. Der DIHK-Nachfolgereport zeigt, dass gerade diese Branche bei Unternehmensnachfolgen besonders unter Fachkräftemangel, hohen Investitions- und Finanzierungskosten sowie bürokratischen Auflagen leidet. Gleichzeitig erschweren sinkende Gästezahlen und geringe Gewinnmargen die Modernisierung und wirtschaftliche Weiterentwicklung vieler Betriebe. Nach Zahlen der Creditreform Wirtschaftsforschung schlossen 2024 und 2025 bundesweit rund 24.500 Gaststätten, Restaurants und Kneipen. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von wirtschaftlichen Herausforderungen bis hin zu ungeklärten Unternehmensnachfolgen.

Entscheidende Zukunftsfrage

Nach Beobachtung der Frankfurter Hospitality-Gruppe cuisyn entwickelt sich die Unternehmensnachfolge zunehmend zur entscheidenden Zukunftsfrage der Branche. „Viele denken bei Restaurantschließungen sofort an wirtschaftliche Schwierigkeiten. Tatsächlich erleben wir jedoch immer häufiger Betriebe, die erfolgreich arbeiten, über eingespielte Teams verfügen und eine treue Stammkundschaft haben. Dennoch ist ihre Zukunft ungewiss, weil sich keine Nachfolge findet“, sagt Dr. Rigbert Fischer, Geschäftsführer von cuisyn, das regelmäßig Gespräche mit Gastronominnen und Gastronomen aus ganz Deutschland führt. Die Anfragen, die das Unternehmen erhält, stammen überwiegend von etablierten Einzelbetrieben und größeren Unternehmensgruppen mit substanziellem Jahresumsatz.

Identität langfristig bewahren

„Die Gründe, warum wir konsultiert werden, sind so unterschiedlich wie die Betriebe selbst. Am Anfang steht meist dieselbe Frage: Wie soll es weitergehen, wenn man selbst einmal kürzer treten möchte? Die Gastronomen möchten ihr Lebenswerk in gute Hände geben. Doch häufig gibt es innerhalb der Familie niemanden, der den Betrieb weiterführen möchte“, sagt Fischer. „Die Gastronomie verlangt Leidenschaft, aber auch einen enormen persönlichen Einsatz. Viele junge Menschen entscheiden sich deshalb bewusst gegen die Selbstständigkeit und für planbarere berufliche Perspektiven. Das macht die Nachfolgesuche heute schwieriger denn je.“ Für cuisyn geht es deshalb nicht nur darum, Betriebe weiterzuführen, sondern ihre Identität langfristig zu bewahren. Die Restaurantteams, Stammgäste und gewachsene Konzepte sollen erhalten bleiben und gleichzeitig professionell weiterentwickelt werden.

Digitalisierung als Unterstützung

Ein wichtiger Baustein des cuisyn-Modells ist die Digitalisierung interner Prozesse. Verwaltungsaufgaben, Personalplanung, Warenwirtschaft und Controlling werden zentral gesteuert, um die einzelnen Betriebe organisatorisch zu entlasten. Gleichzeitig bleibt der Charakter der Restaurants bewusst erhalten. Gastfreundschaft, individuelle Konzepte und der persönliche Kontakt zu den Gästen stehen weiterhin im Mittelpunkt. „Gerade in einer Branche, in der qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter knapp sind, muss Technologie dort unterstützen, wo sie echten Mehrwert schafft. Wir nutzen Digitalisierung deshalb vor allem in administrativen Prozessen, bei der Planung und in der Steuerung. So gewinnen unsere Teams mehr Zeit für das, was gute Gastronomie ausmacht: den persönlichen Kontakt zu den Gästen“, sagt Dr. Rigbert Fischer.

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