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20. Juli 2026

Dorfläden sind mehr als reine Verkaufsstellen

BVBDL-VORSTAND PETER FELDBAUER: GEWÜNSCHT SIND UNBÜROKRATISCHE FÖRDERMÖGLICHKEITEN
Peter Feldbauer, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Bürger- und Dorfläden in Deutschland.

Peter Feldbauer ist Geschäftsführer des Retschter Lädchens im unterfränkischen Retzstadt - einem mehrfach ausgezeichneten Dorfladen mit Café und regionalem Schwerpunkt. Als Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Bürger- und Dorfläden in Deutschland (BVBDL) begleitet er Dorfläden und Nahversorgungsprojekte bundesweit bei Fragen rund um Wirtschaftlichkeit und Betriebsführung. Das von ihm geführte Retschter Lädchen wurde 2025 und 2026 als Gold-Dorfladen des Jahres ausgezeichnet und dient zugleich als bundesweites Trainings- und Entwicklungszentrum für Dorfläden. Seine Erfahrungen teilt er in unserem soeben erschienen Digitalmagazin LEH-Radar.

HI HEUTE: Herr Feldbauer, als Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Bürger- und Dorfläden sind Sie bestens informiert über die vielfältigen Schwierigkeiten, die den diesbezüglichen Unternehmern bei ihrer täglichen Arbeit begegnen. Worin liegen aus Ihrer Wahrnehmung momentan die bedeutendsten Herausforderungen?

Peter Feldbauer: Die größte Herausforderung ist die Wirtschaftlichkeit. Steigende Personal-, Energie- und Betriebskosten treffen auf eine oft begrenzte Kundenzahl. Gleichzeitig müssen Dorfläden ihre Besonderheiten wie Regionalität, Service und soziale Funktionen finanzieren und dauerhaft wirtschaftlich tragfähig bleiben.

HI HEUTE: Was unterscheidet einen Bürger- oder Dorfladen heute von einem klassischen Nahversorger?

Peter Feldbauer: Dorfläden sind weit mehr als reine Verkaufsstellen. Sie verbinden Nahversorgung mit sozialem Treffpunkt, regionaler Wertschöpfung und bürgerschaftlichem Engagement. Viele übernehmen Aufgaben, die weit über den klassischen Lebensmitteleinzelhandel hinausgehen. Oftmals liegt der Anteil der regionalen Artikel deutlich über 50 Prozent des Gesamtumsatzes.

HI HEUTE: Welche Rolle spielen Bürgerläden in der Daseinsvorsorge auf dem Land?

Peter Feldbauer: Sie sichern die wohnortnahe Versorgung und stärken gleichzeitig das soziale Miteinander. Gerade in kleineren Orten sind Dorfläden oft Treffpunkt, Informationsbörse und ein wichtiger Baustein für die Lebensqualität.

HI HEUTE: Welche Erwartungen haben Sie an Bund, Länder und Gemeinden?

Peter Feldbauer: Wir wünschen uns verlässliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Anerkennung der Bedeutung lokaler Nahversorgung. Wichtig sind unbürokratische Fördermöglichkeiten und Unterstützung bei Investitionen. Eine Förderung des laufenden Betriebes sehen wir als Bundesverband eher kritisch.

HI HEUTE: Wie wichtig sind kommunale Flächen, Leerstandsnutzung oder digitale Infrastruktur?

Peter Feldbauer: Sie sind häufig entscheidende Erfolgsfaktoren. Verfügbare Flächen, die sinnvolle (Um-)Nutzung leer stehender Gebäude und eine funktionierende digitale Infrastruktur schaffen die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb und moderne Dienstleistungen.

HI HEUTE: Wo liegt die Grenze zwischen Bürgerinitiative und unternehmerischem Betrieb?

Peter Feldbauer: Bürgerschaftliches Engagement ist oft der Auslöser eines Projekts. Langfristig kann ein Dorfladen jedoch nur bestehen, wenn er professionell geführt wird und wirtschaftlich arbeitet. Gute Ideen und Idealismus allein ersetzen kein tragfähiges Geschäftsmodell.

HI HEUTE: Gibt es Regionen, in denen Dorfläden besonders schwer oder besonders gut funktionieren?

Peter Feldbauer: Erfolgreich sind Dorfläden vor allem dort, wo die Bevölkerung das Projekt aktiv unterstützt und regelmäßig vor Ort einkauft. Entgegen vieler Vermutungen ist die Nähe zu Wettbewerbern dabei oft von nachrangiger Bedeutung. Entscheidend ist vielmehr, ob der Dorfladen ein überzeugendes Profil bietet und einen echten Mehrwert für die Menschen vor Ort schafft.

HI HEUTE: Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial für die nächsten fünf Jahre?

Peter Feldbauer: Im Ausbau von Dienstleistungen und echten regionalen Angeboten. Dorfläden entwickeln sich zunehmend zu multifunktionalen Zentren mit Café, Paketdienstleistungen, regionalen Produkten, Veranstaltungen oder digitalen Zusatzangeboten.

HI HEUTE: Welche Bedeutung hat der Dorfladen für ältere oder weniger mobile Menschen?

Peter Feldbauer: Für viele Menschen bedeutet der Dorfladen Selbstständigkeit und Teilhabe. Kurze Wege, persönliche Ansprechpartner und soziale Kontakte sind gerade für ältere Menschen oft genauso wichtig wie das eigentliche Warenangebot.

HI HEUTE: Wenn Sie auf die Entwicklung der letzten Jahre blicken: Was ist die wichtigste Erkenntnis für Menschen, die heute einen Dorfladen gründen wollen?

Peter Feldbauer: Ein Dorfladen entsteht nicht nur durch Fördermittel oder Technik, sondern durch Menschen. Entscheidend sind ein klares Konzept, professionelles Arbeiten und eine Dorfgemeinschaft, die den Laden dauerhaft nutzt und unterstützt.

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