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Takko Fashion steht kurz vor der 2.000 Markteröffnung. Das Unternehmen, das im westfälischen Telgte ansässig ist, überzeugt operativ mit guten Zahlen und strategisch klugen Maßnahmen. Anders als so mancher Wettbewerber, zeigt sich der in insgesamt 17 europäischen Ländern aktive Mode-Discounter erstaunlich expansiv. Das gilt besonders auch weiterhin für den deutschsprachigen Raum. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller führte dazu ein Interview mit Oleg Krüger, der im Unternehmen die Immobilienentwicklung verantwortet, früher viele Jahre bei Fressnapf war und gelernter Geograph ist.
HI HEUTE: Herr Krüger, Sie haben mit Takko – wie der gesamte Textilhandel – mehrere turbulente Jahre hinter sich liegen. Offenbar haben Sie aber richtige Maßnahmen ergriffen und stehen operativ besser da, als so manche Ihrer wichtigsten Wettbewerber. Unabhängig von den Gerüchten über einen möglichen neuen Eigentümer, hört man bei Ihnen nichts von Schließungen, sondern im Gegenteil von nennenswerter Expansion Ihres Filialnetzes. Worin liegen die Gründe für diesen Erfolg versprechenden Weg?
Oleg Krüger: Es ging und geht uns vor allem um Fokussierung. Wir sind seit inzwischen rund 40 Jahren auf dem Markt. Ganz wichtig war und ist uns in all den Jahren das Bekenntnis zu einem klaren Sortiment. Bei Takko Fashion geht es um zuverlässige, tragbare Mode zu Discounterpreisen, die wir in einem komfortablen Einkaufserlebnis präsentieren. Auch sehen wir uns unverändert primär als stationärer Anbieter, wohlwissend, dass unser Onlineverkauf weiter kontinuierlich wächst und wir stolz darauf sind, dass unsere Loyality-App inzwischen fast 11 Millionen Nutzer hat.
HI HEUTE: Welche Kriterien muss ein zukünftiger Takko-Standort erfüllen und welche Orte/Städte einerseits und Handelsimmobilientypen (z.B. Fachmarktcenter) sind für Sie für die nächsten Jahren besonders interessant?
Oleg Krüger: Kurz gesagt, der Standort muss Relevanz für die dortigen Einwohner haben. Natürlich gibt es Erfahrungswerte. So um die 30.000 Menschen sollten im direkten Einzugsgebiet leben. Es spielt für uns aber im Grunde keine Rolle, ob es sich dabei um ein Shopping Center, ein Fachmarktcenter, eine Handelsagglomeration im Umfeld eines Gewerbegebiets oder um die Fußgängerzone einer Innenstadt handelt – unsere Erfahrungswerte zeigen, dass unser Konzept in verschiedenen Lagen erfolgreich ist. Wichtig ist, dass unsere Kunden ihren Einkauf gut in ihren Alltag integrieren und gegebenenfalls mit alltäglichen Bedarfseinkäufen verknüpfen können. Wir bevorzugen aktuell eine Ladenverkaufsfläche –am besten ebenerdig – zwischen 400 und 650 Quadratmetern.
HI HEUTE: Wie wichtig ist Ihrem Unternehmen die Ladenausstattung und das Design?
Oleg Krüger: Natürlich verfolgen wir ein Corporate Design, aber wir legen bei der Ladengestaltung sehr viel Wert auf Flexibilität, was auch den Vorteil für den Vermieter bietet, dass wir uns mit Blick auf die Immobilie sehr gut anpassen können. Dies setzt voraus, dass unser Storedesign-Team stets gute kreative Lösungen findet und die Bedürfnisse unserer Kundschaft einerseits, aber auch die unseres Personals, das sich den ganzen Arbeitstag über in den Räumen wohlfühlen soll, andererseits im Blick hat. In der letzten Zeit haben wir sehr intensiv an einer verbesserten Wegführung der Kunden gearbeitet und die Geräumigkeit erhöht. Modernisierungen und Optimierungen haben wir zuletzt bei den Ankleideräumen und im Kassenbereich vorgenommen und gleich am Filial-Eingang mit den aufgestellten Mannequins einen Statement-Bereich geschaffen, der Inspiration bietet. Zudem integrieren wir in unseren Stores Lokalkolorit im Kassenbereich.
HI HEUTE: Immer mehr Unternehmen achten bei der Errichtung neuer Filialen auf umweltschonende und nachhaltige Bauweise? Geht das Takko auch so?
Oleg Krüger: Bei den Filial-Neueröffnungen orientieren wir uns an dem, das auf diesem Gebiet State of the Art ist, ganz besonders im Bereich der Energieeffizienz. Hier sehen wir den größten Hebel. So haben wir beispielsweise früh unser Filialnetz auf LED-Nutzung umgerüstet. Aber umweltschonende Maßnahmen versuchen wir an möglichst vielen Stellen in unseren Stores zu ergreifen. Ein gutes Beispiel sind unsere Schaufensterpuppen, die aus recyceltem Material produziert werden. Unsere Mehrwegtragetaschen bestehen sogar mitunter aus unseren eigenen recycelten Folienverpackungen.
HI HEUTE: Könnten Sie mal ein konkretes Beispiel geben, was sich hinsichtlich der Ladengestaltung von Takko in den letzten Jahren verändert hat. Also so ein Best-Practice-Beispiel im Vergleich zu einem älteren Objekt.
Oleg Krüger: Insgesamt setzen wir im Rahmen unseres neuen Store Designs hellere Farbtöne und mehr Designelemente in Holzoptik ein. Ziel ist, in der Filiale ein warmes, freundliches Ambiente mit klaren Strukturen zu schaffen. Somit ordnen wir die Sortimentsgruppen in unseren Filialen immer nach demselben Muster – das soll unseren Kundinnen und Kunden eine klare Orientierung geben und sorgt für ein verlässliches Einkaufserlebnis in jeder unserer Takko Fashion Filialen. Mit dem neuen Store Design haben wir in allen unseren Filialen direkt am Eingang ein sogenanntes Entrance Statement etabliert. Hier begeistern wir unsere Kundinnen und Kunden direkt beim Eintreten in die Filiale mit den Highlights unserer aktuellen Kollektion. Kleinere solcher „Fashioninseln“ bieten wir im gesamten Store, um die Kundinnen und Kunden zu inspirieren. Im Vergleich zu älteren Filialkonzepten zeigen die Gestaltung des Kassenbereichs und der Umkleide vermutlich die größten Veränderungen: Die Kasse ist Teil des typischen Filialrundgangs und befindet sich in der Regel bei dem Kindersortiment, d.h. am Ende der Customer Journey durch die Filiale. An der Kasse haben wir mit dem neuen Store Design etwas Lokalkolorit – den Namen der Stadt – integriert. Unsere Umkleidebereiche haben wir durch eine Lounge-Ecke ergänzt. Insgesamt ermöglicht dieses Filialkonzept durch einen standardisierten Aufbau gute Orientierung für den gezielten Einkauf, sorgt allerdings gleichzeitig für modische Inspiration und lädt zum Verweilen ein
HI HEUTE: Wie beurteilen Sie aus Ihrer Sicht die aktuellen baurechtlichen Erfordernisse bei der Realisierung von neuen Objekten? Besteht hier Änderungsbedarf bezüglich der Gesetzgebung oder kommen Sie bei der Umsetzung ganz gut zurecht?
Oleg Krüger: Insgesamt erhalten wir bei unseren Neurealisierungen viel Unterstützung. In der Vergangenheit hatten wir teilweise Herausforderungen darin, bei den städtischen Verwaltungen den korrekten Ansprechpartner für das jeweilige Projekt zu finden. Ist das erst einmal gelungen, funktioniert die Abstimmung sehr gut und das Projekt schreitet schnell voran. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, in denen wir uns ebenfalls ambitionierte Expansionsziele gesetzt haben, stellen wir fest, dass dort die Digitalisierung in Teilen weiter fortgeschritten ist. Die digitalen Prozesse ermöglichen mehr Transparenz innerhalb der Projektabläufe. Das wünsche ich mir auch für Deutschland.
HI HEUTE: Was haben Sie sich für Ziele bezüglich Ihrer Expansionsstrategie gesetzt? Was wollen sie noch dieses Jahr und was bis – sagen wir mal – 2030 realisieren?
Oleg Krüger: In unserem Kernmarkt gibt es noch ausreichend Potenzial für die Expansion. Wir haben keine übermäßige Angst vor Kannibalisierung, sondern haben uns ambitionierte Ziele gesetzt. Darum hat unsere Unternehmensleitung bereits im letzten Jahr einen klaren Kurs vorgegeben. Wir wollen in den kommenden drei Jahren insgesamt 300 neue Filialen eröffnen, die klare Mehrheit davon im deutschsprachigen Raum. Hier liegen wir voll im Plan. Sehr erfreulich ist auch unsere Entwicklung in den Niederlanden. Hier scheinen wir mit unserem Konzept – qualitativ hochwertige Mode zu Discount-Preisen – einen Nerv getroffen zu haben. Europaweit haben wir im vergangenen Geschäftsjahr 85 neue Filialen eröffnet und 106 umfangreiche Filialmodernisierungen vorgenommen. Diesen Trend setzen wir in diesem Geschäftsjahr fort.
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