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02. Oktober 2026

Zehn Jahre Wandel. Ein Prinzip bleibt: relevant statt austauschbar.

INTERVIEW: BENEDIKT JAGDFELD, OWNER & CEO DER JAGDFELD REAL ESTATE, ÜBER EIGENTÜMERDENKEN, INTEGRIERTES MANAGEMENT UND DIE ZUKUNFT ERFOLGREICHER HANDELSSTANDORTE
Unternehmenschef Benedikt Jagdfeld beim Interview
Foto: Jagdfeld RE
Plaza Frankfurter Allee
Foto: Jagdfeld RE

Für unser soeben erschienenes Jubiläumsmagazin hat sich Benedikt Jagdfeld, Owner & CEO der Jagdfeld Real Estate, über Eigentümerdenken, integriertes Management und die Zukunft erfolgreicher Handelsstandorte im Interview mit HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller geäußert.

HI HEUTE: Welche drei Entwicklungen im Einzelhandel und in der Handelsimmobilie haben Jagdfeld Real Estate in den letzten zehn Jahren am stärksten geprägt?

Benedikt Jagdfeld: Die prägendste Entwicklung lautet nicht „online gegen stationär“, sondern relevant gegen austauschbar. Erfolgreiche Standorte brauchen heute einen konkreten Besuchsgrund: passenden Angebotsmix, gute Erreichbarkeit, Service, Aufenthaltsqualität und lokale Verankerung. Zweitens sind Krisen zum Dauerstresstest geworden; Strategie, Vermietung, Betrieb, Technik und Marketing müssen deshalb früher gemeinsam handeln. Drittens wird die Handelsimmobilie zum lokalen Marktplatz: Handel bleibt Kern, ergänzt um genau die Nutzungen, die Frequenz, Verweildauer und Ertrag vor Ort stärken. 

HI HEUTE: Rückblickend auf die Transformation von der DI-Gruppe zur Jagdfeld Real Estate innerhalb der Jagdfeld Gruppe: Welche Vorteile bringt die gebündelte Struktur heute im Tagesgeschäft von Asset- und Centermanagement?

Benedikt Jagdfeld:Die Neuaufstellung 2022 war mehr als ein neuer Name: Sie machte unsere integrierte Immobilienplattform mit kurzen Entscheidungswegen und klarer Verantwortung sichtbar. Das Asset Management setzt Strategie, Renditeziel und Risikorahmen; eigene Teams für Property und Technical Property Management, Center Management, Leasing, Projektentwicklung und Marketing setzen sie um. Erkennt das Team vor Ort veränderte Kundenströme oder sinkende Store-Performance, fließt das direkt in Vermietung, Investitionsplanung, Technik und Kommunikation. Das reduziert Reibungsverluste und beschleunigt Entscheidungen. 

HI HEUTE: Jagdfeld Real Estate versteht sich als Asset- und Centermanager entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wo sehen Sie heute Ihren klarsten Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Property- oder Asset-Managern?

Benedikt Jagdfeld:Unser Vorteil ist nicht die Länge der Leistungsliste, sondern ihr Zusammenspiel: Wir verbinden Asset und Property Management mit Center Management, Leasing, Technik, Projektentwicklung und Marketing – von der Diagnose bis zur Umsetzung. Hinzu kommt Eigentümerdenken aus unserer Historie mit selbst initiierten Fondsobjekten. 

Jede Maßnahme prüfen wir auf Risiko, Cashflow, Vermietbarkeit und langfristigen Wert. Die 2026 veröffentlichte Langzeitauswertung des Shoppingcenter Performance Reports bestätigt: Jagdfeld Real Estate zählt zu Deutschlands vier bestbewerteten Shoppingcenter-Managern. 

HI HEUTE: Mit rund 800 realisierten Projekten und einem betreuten Volumen von mehreren Milliarden Euro blicken Sie auf eine lange Historie zurück: Wie hat sich Ihr Mandatsmix zwischen Eigen- und Drittmandaten entwickelt, und welche Richtung ist mittelfristig geplant?

Benedikt Jagdfeld:Eigen- und Drittmandate sind für uns kein Gegensatz. Eigene oder von uns initiierte Fondsobjekte haben uns die Eigentümerperspektive gelehrt; bei Drittmandaten übertragen wir diese Erfahrung auf die Ziele des Investors. Dieses Geschäft wollen wir gezielt ausbauen – für institutionelle Anleger, internationale Investoren, Family Offices und Portfoliohalter, die einen handlungsfähigen Partner suchen. 

Den größten Mehrwert schaffen wir dort, wo wir mehrere Hebel verbinden: Asset, Property und Center Management, Leasing, Technik und Marketing – und uns an klaren Ergebnissen messen lassen. 

HI HEUTE: In den ersten Jahren von HI HEUTE hatte ich mehrfach Gelegenheit, mit Helmut Jagdfeld über erfolgreiche Wege des Centermanagements zu sprechen. Wie viel von ihm steckt heute noch in Ihren Sichtweisen auf das Centermanagement der Gegenwart und Zukunft?

Benedikt Jagdfeld:Immer noch viel. Mein Onkel Helmut betrachtete Handelsimmobilien nie nur als Gebäude oder Mietverträge. Als gelernter Einzelhandelskaufmann wusste er: Ein Center funktioniert nur, wenn Händler erfolgreich sind und Menschen gerne kommen. Seine Haltung prägt uns ebenso: zuhören, Interessen verstehen, verbindlich sein und Probleme lösen, statt sie zu verwalten. Heute arbeiten wir mit mehr Daten, digitalen Systemen und KI. Doch Daten zeigen zunächst nur, was geschieht; die Menschen vor Ort erklären, warum. Diese Verbindung aus Nähe, Fairness und unternehmerischer Konsequenz bleibt unser Maßstab. 

HI HEUTE: Welche KPIs jenseits von Mietniveau und Leerstand sind für Sie entscheidend, um die Zukunftsfähigkeit eines Objekts zu messen?

Benedikt Jagdfeld:Leerstand ist meist ein Spätindikator. Deshalb beobachten wir früher ansetzende Signale: Flächenproduktivität, Umsatzentwicklung, Mietbelastung, Vertragsverlängerungen, Investitionsbereitschaft und Qualität der Vermietungspipeline. 

Auf Kundenseite zählen Frequenz nach Eingängen, Zeiten und Anlässen, Verweildauer, Wiederbesuche, Conversion und Feedback. Hinzu kommen technische Verfügbarkeit, Störungsprofile, Energie- und Betriebskosten sowie CAPEX-Risiken. Erst die Verbindung von Mieter-, Kunden-, Technik- und Finanzdaten zeigt, was für NOI, Cashflow und langfristigen Wert zu tun ist. 

HI HEUTE: ESG, Energieeffizienz und regulatorische Anforderungen erhöhen den Investitionsdruck. Wie priorisieren Sie Maßnahmen so, dass Modernisierung zugleich Zukunftsfähigkeit und Rendite stärkt?

Benedikt Jagdfeld: Wir behandeln ESG als Teil der Asset- und CAPEX-Strategie. Priorität hat, was Substanz und Betrieb sichert, Verbrauch und Kosten senkt sowie Nachfrage, Vermietbarkeit und Nutzererlebnis verbessert. Im Rathaus-Center Pankow wurden in der Corona-Zeit mehr als 15 Millionen Euro in Erweiterung und Revitalisierung investiert. Im Ergebnis stieg die ohnehin bereits hohe Vermietungsquote auf nahezu Vollvermietung. Das Mietniveau konnte überproportional um 15% und die Frequenz um 10% im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit gesteigert werden. Die öffentliche Beleuchtung benötigt jetzt rund 80 Prozent weniger Energie. Jede Maßnahme braucht dabei einen Business Case – einschließlich der Kosten des Nichtstuns. 

HI HEUTE: Wie werden sich Einkaufszentren und Fachmarktzentren in den nächsten zehn Jahren verändern - und welche Nutzungen haben im künftigen Standortmix das größte Potenzial?

Benedikt Jagdfeld: Die Zukunft heißt nicht automatisch mehr Mixed Use, sondern mehr standortgerechte Relevanz. Neue Nutzungen müssen Frequenz schaffen, Tageszeiten aktivieren oder das Risiko des Assets verbessern. Das von uns entwickelte und langjährig gemanagte City Center Bergedorf verband schon früh Handel, Ärzte, Behörden, Büro und Wohnen als der Begriff „Mixed Use“ noch gar nicht geprägt war. 

In der PLAZA Frankfurter Allee haben wir frühere Hotelflächen in einen Hochschulcampus transformiert; während unseres Mandats für die City Galerie Aschaffenburg entstand 2021 aus einer gefangenen Brachfläche eine Kita. Unser Leasing folgt daher Kundenwegen, Bedarf und Wirtschaftlichkeit.

HI HEUTE: Welche digitalen Tools und Datenquellen nutzen Sie im Center- und Asset Management - und wo schafft KI heute bereits messbaren Nutzen, wo bewusst nicht?

Benedikt Jagdfeld: Digitalisierung beginnt bei verlässlichen Daten. Im Property Management arbeiten wir unter anderem mit ERP- und Vertragsmanagementsystemen wie RELionONE, einer Cloud-ERP-Lösung auf Basis von Microsoft Dynamics 365 Business Central, Yardi, SAP S/4HANA und MRI. Hinzu kommen Vermietungs-, Kunden-, Energie- und Betriebsdaten. KI schafft konkreten Nutzen: 2026 setzten wir beim Verkauf des Siegerland-Centers erfolgreich einen eigens programmierten KI-Agenten ein. Auch Analysen und Dokumentenprüfungen werden schneller. 

Kurz gesagt: über alle von uns betreuten Assetklassen hinweg (z.B. auch sehr intensiv im Bereich Hotel) rollen wir weitere Digitalisierungs- und KI-Tools dort aus, wo sich die Effizienz steigern lässt. Im Kontakt mit Mietern und Besuchern bleibt persönliche Präsenz aber entscheidend und unverzichtbar. 

HI HEUTE: Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich von einem Branchenmedium wie HI HEUTE für das nächste Jahrzehnt - welche Themen, Formate oder Debatten sollten stärker in den Fokus rücken?

Benedikt Jagdfeld: Ich wünsche mir, dass HI HEUTE seine große Nähe zur Praxis behält und noch stärker zeigt, was hinter den Schlagworten tatsächlich funktioniert. 

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