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15. Mai 2026

Paketflut aus Fernost setzt Einzelhandel massiv unter Druck

NEUE ANALYSE: FÜNF MILLIARDEN EURO EINBUSSEN DURCH TEMU UND SHEIN
Chinesische Onlineanbieter wie Temu und Shein kosten die deutsche Wirtschaft und den Einzelhandel jährlich Milliarden.
Foto: Unsplash / VH

Der Erfolg der chinesischen Onlineplattformen Temu und Shein hat laut einer aktuellen Analyse spürbare Folgen für die deutsche Wirtschaft. Wie aus einer Untersuchung von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) hervorgeht, verliert der deutsche Einzelhandel jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz, weil Verbraucher ihre Einkäufe zunehmend bei den beiden Anbietern tätigen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen reichen der Studie zufolge jedoch weit über den Einzelhandel hinaus. Einschließlich Vorleistungen wie Mieten, Energie, Logistik sowie daraus resultierender Konsumausgaben summiert sich der geschätzte Umsatzausfall auf rund fünf Milliarden Euro pro Jahr. „Jeder Euro Umsatz im Einzelhandel führt zu insgesamt etwa zwei Euro Umsatz in der gesamten Wirtschaft“, erklärte Marco Trenz, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft.

Wachsender Einfluss

Grundlage der Analyse ist eine repräsentative Onlinebefragung von 4000 Verbraucherinnen und Verbrauchern im Alter zwischen 16 und 69 Jahren. Demnach hätten 51 Prozent der Temu- und Shein-Kunden die gekauften Produkte auch bei anderen Anbietern erworben, wenn die Plattformen nicht verfügbar gewesen wären. Weitere 19 Prozent gaben an, dafür sogar mehr Geld ausgegeben zu haben. Die Forscher gehen davon aus, dass durch den wachsenden Einfluss der beiden Plattformen bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland verloren gegangen sind – vor allem im Einzelhandel. Hinzu kämen weitere Stellenverluste in vor- und nachgelagerten Branchen. Trenz erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt, da die Umsätze von Temu und Shein weiter steigen dürften. Auch der Staat verliere erhebliche Einnahmen. Laut Studie entgehen Bund, Ländern und Kommunen jährlich bis zu 420 Millionen Euro an Steuern. Würden die Käufe stattdessen im deutschen Einzelhandel stattfinden, würden daraus zusätzliche Lohn-, Gewerbe- und Körperschaftssteuern entstehen, so Trenz.

Täglich rund 460.000 Pakete

Nach Angaben des HDE verschickten Temu und Shein im Jahr 2025 täglich rund 460.000 Pakete nach Deutschland. Die Plattformen erfreuen sich großer Beliebtheit bei Verbrauchern, stehen jedoch seit längerem in der Kritik. Politiker, Verbraucherschützer und Handelsvertreter bemängeln unter anderem mangelnde Produktkontrollen, unsichere Waren sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen. HDE-Präsident Alexander von Preen wirft den Plattformen vor, häufig gegen rechtliche Vorgaben zu verstoßen und dadurch heimische Händler massiv unter Druck zu setzen. Deutsche Händler würden streng kontrolliert und hielten sich an gesetzliche Standards. Der Verband fordert deshalb schärfere Maßnahmen gegen die Anbieter. „Wenn sonst nichts hilft, muss bei solch massiven Regelverstößen der Stecker gezogen werden“, sagte von Preen.

Plattformen widersprechen

Temu weist die Vorwürfe zurück. Ein Unternehmenssprecher erklärte, die Plattform ermögliche tausenden Unternehmen in Deutschland und Europa den Zugang zu internationalen Kunden und unterstütze sie dabei, Arbeitsplätze zu schaffen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch Shein widerspricht der Kritik deutlich. Ein Sprecher erklärte, Wettbewerber würden mit „haltlosen Vorwürfen“ zum Sündenbock gemacht. Gleichzeitig verwies das Unternehmen darauf, dass inzwischen mehr als 600 deutsche Firmen über die Plattform verkauften. In den vergangenen drei Jahren habe Shein in Deutschland zudem hunderte Millionen Euro an Steuern gezahlt.

EU plant Maßnahmen

Unterdessen reagiert auch die Europäische Union auf die wachsende Zahl von Billigimporten. Ab November soll eine neue Bearbeitungsgebühr für Onlinebestellungen aus Drittstaaten eingeführt werden. Zusätzlich sind weitere Zollmaßnahmen geplant. Bislang können Pakete mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro zollfrei in die EU eingeführt werden. Künftig soll bereits für kleinere Sendungen eine Abgabe erhoben werden. Darüber hinaus stehen Temu und Shein wegen möglicher Verstöße gegen europäische Digitalgesetze unter Beobachtung der EU-Kommission. Gegen beide Unternehmen laufen Untersuchungen. Auch das Bundeskartellamt prüft seit Oktober mögliche unzulässige Vorgaben zur Preisgestaltung durch das hinter Temu stehende Unternehmen Technology Limited.

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